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Förderung der Phytotherapie in Deutschland

 

Phytotherapie

Unter „Phytotherapie“ versteht man die Heilung, Linderung und Vorbeugung von Krankheiten und Beschwerden durch Arzneipflanzen und daraus hergestellten Arzneimitteln. Pflanzliche Arzneimittel (Phytopharmaka) sind zugelassene oder registrierte  Arzneimittel, die vor ihrer Markteinführung von der Zulassungsbehörde unter Berücksichtigung aller arzneimittelrechtlicher Vorgaben auf ihre Wirksamkeit, Sicherheit und pharmazeutische Qualität überprüft wurden. Sie sind in Deutschland seit Jahrzehnten weit verbreitet und erfreuen sich aufgrund ihrer erwiesenen Wirksamkeit und ihrer geringen Nebenwirkungen großer Beliebtheit in der Bevölkerung. Pflanzliche Arzneimittelstellen einen wichtige Therapieoption dar, auch in der Selbstmedikation.

 

Unzureichende Verankerung der Phytotherapie in Aus-, Fort- und Weiterbildung

In medizinischen und pharmazeutischen Fachkreisen ist der Kenntnisstand zur Phytotherapie oft nicht ausreichend, da dieser Therapierichtung im Rahmen der Aus-, Fort- und Weiterbildung ein zu geringer Stellenwert zukommt. Begründet wird dies u.a. mit einer durch klinische Studien unzureichend belegten Wirksamkeit. Diese Sichtweise ist jedoch nur teilweise korrekt,  denn  die  Wirksamkeit vieler auf dem Markt erhältlichen Phytopharmaka ist bereits gut bzw. sehr gut evidenzbasiert abgesichert.  In anderen Fällen besteht aber noch grundle-gender Forschungsbedarf.

 

Kaum öffentliche Forschungsförderung

Phytotherapeutische Forschung wurde in Deutschland in den letzten Jahrzehnten kaum öffentlich gefördert. Projektanträge mit phytotherapeutischem Schwerpunkt haben im Rahmen der Grundlagenforschung bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) bzw. im Rahmen der präklinischen und klinischen Forschung innerhalb der Förderprogramme der Bundesregierung (z.B. Bundesministerium für Bildung und Forschung, BMBF) kaum eine Chance auf Bewilligung.
Es fehlen u.a. öffentliche Förderprogramme und Experten für Naturstoffchemie und -pharmakologie sowie Phytotherapie in den entsprechenden Entscheidungsgremien.

 

Deutschland kommt Forderungen nicht nach

Die  Weltgesundheitsorganisation  (WHO)  fordert  seit  vielen  Jahren,  dass  in  ihren Mitgliedstaaten öffentlich finanzierte Lehrstühle und akademische Forschungsinstitute  eingerichtet werden sollen, die sich mit traditioneller Medizin befassen. Hier bei wird von der WHO explizit auch die Phytotherapie eingeschlossen. Diese Forderung ist in Deutschland - im Gegensatz zu  vielen anderen Ländern weltweit - bisher kaum  umgesetzt. Zudem hat die Zahl pharmazeutischer Lehrstühle, die sich mit Naturstoffen und Phytopharmaka beschäftigen, an deutschen Universitäten in den letzten Jahren sehr stark abgenommen. Wegen der fehlenden 2 akademischen Ausbildungsstätten beklagen die Hersteller von Phytopharmaka zunehmend  einen Mangel an qualifiziertem Nachwuchs in  allen  Bereichen.

Die  prekäre  staatliche  Forschungsförderung hat dazu geführt, dass Deutschland seine internationale Führungsrolle in der Phytotherapie -und Naturstoffforschung, die noch bis Anfang der 1990er Jahre bestand, längst an Nationen wie Brasilien, Volksrepublik China, Indien, Iran, Ghana oder Südkorea abgegeben hat.

 

Das Bündnis Phytotherapie fordert daher:

1. Verbesserung der Forschungsbedingungen im Bereich der Phytotherapie durch verstärkte öffentliche Forschungsförderung

  • Einführung neuer Entwicklungsprogramme und Förderschwerpunkte
  • Stärkere Einbeziehung von Experten aus dem Bereich der Phytotherapie in die Gutachterkommissionen, z.B. von DFG und BMBF

2. Einrichtung staatlich finanzierterLehrstühle und akademischer Forschungsinstitute an deutschen Universitäten mit dem Schwerpunkt Phytotherapie

3. Stärkere Verankerung der Phytotherapie in der medizinischen und pharmazeutischen Ausbildung

4. Stärkere Unterstützung universitärer Forschungsaktivitäten auf dem Gebiet der Phytopharmaka und Phytotherapie

5. Förderung klinischer Studien mit hoher Relevanz für die Patientenversorgung

Eine intensivere Forschung steigertWissen und Akzeptanz zu Phytopharmaka in den Fachkreisen und ermöglicht eine gezielte Anwendung. Zugleich kann dadurch die Evidenz der Wirksamkeit von Phytopharmaka erhöht werden,
sodass positive Anwendungsempfehlungen vermehrt in medizinischen Leitlinien verankert werden.

 

In folgenden Bereichen wird u.a. Forschungs- und Handlungsbedarf gesehen:

Intensivierte Aufnahme von Phytopharmaka in medizinische Leitlinien

Optimierte Anwendung von Phytopharmaka bei Kindernund Senioren

Einsatz von Phytopharmaka zur Reduzierung der Antibiotikaresistenz

Forschung zur Versorgung von Patienten mit Phytopharmaka

Forschung zu Arzneipflanzen einschließlich Analytik, Wirkungsmechanismen, Wirksamkeit, Interaktionen und Nebenwirkungen

 

Das Bündnis Phytotherapie

Das Bündnis Phytotherapieist ein Zusammenschluss von Experten der Ärzte- und Apothekerschaft, aus Wissenschaft und Forschung sowie aus Herstellerverbänden und anderenrenommierten Institutionen aus dem Bereich der Phytotherapie. Durch die wissenschaftliche Kompetenz der Partner und ihren Schatz an langjähriger Erfahrung erwachsen Synergien zur Förderung und zukunftsweisenden Weiterentwicklung der Phytotherapie.

Ärztegesellschaft für Erfahrungsheilkunde e.V.- Ärztliche Vereinigung fürKomplementärmedizin

Ärztegesellschaft für Präventionsmedizin und klassische Naturheilverfahren, Kneippärztebund e.V.

Arbeitsgemeinschaft für Naturheilverfahren im Akutkrankenhaus

Arbeitskreis für Mikrobiologische Therapie e.V. (AMT)

Bundesverband der Arzneimittel- Hersteller e.V. (BAH)

Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie e.V. (BPI)

Deutsche Pharmazeutische Gesellschaft e.V. (DPhG)

Deutscher Naturheilbund e.V. (DNB)

Gesellschaft für Phytotherapie e.V.(GPT)

Kooperation Phytopharmaka GbR

Society of Medicinal Plants and Natural Product Research (Gesellschaft für Arzneipflanzen- und Naturstoff- Forschung e.V.) (GA)

Zentralverband der Ärzte für Naturheilverfahren und Regulationsmedizin e.V. (ZAEN)

Kontakt:

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Homepage:

www.buendnis-phytotherapie.de